„Elf Leben“ ist eines der wenigen Bücher, die einen das Herz erwärmen, einen mitreißen und mitleben lassen, wie es bei vielen Werken nur selten der Fall ist. Mark Watson hat sich mit seinem ersten, ins Deutsche übersetzte Buch, selbst ein Denkmal gesetzt.
Xavier Ireland, der seine Heimat Australien aus persönlichen Gründen, die er für sich selbst behält, verlässt, um in London ein neues Leben mit einem neuen Namen zu beginnen, moderiert mit Murray nachts eine Radiosendung, wo anonyme Anrufer sich melden, um zu erzählen oder ihre Sorgen zu klagen.
Im Laufe der ganzen Handlung wird klar, dass Xavier nicht einfach vor sich selbst flüchten kann. Als er Pippa trifft, wird ihm das nur zu deutlich bewusst.
Xavier allein ist aber nicht wirklich die Hauptperson, sondern vielmehr Nebencharakter, der die Elf Leben, um die es hier vielmehr zu gehen scheint, miteinander verbindet, ohne dass sie sich je berühren. Sei es ein Leben, was nur kurz über zwei, drei Zeilen erwähnt wird, sei es ein Leben, was über mehr als nur ein paar Sätze hinausgeht: Jedes einzelne von ihnen hat seine Existenzberechtigung und gewinnt viel größere Aufmerksamkeit als Xavier selbst.
So unbedeutend einem die Leben anderer Menschen erscheinen mögen, in diesem Roman wird deutlich, dass es die Leben außerhalb des eigenen wirklich gibt.
So viele Leben um Xavier herum und er mitten drin.
Watson hat mit seinem aktuellen Roman eine wahre Hürde überwunden und einen Schreibstil an den Tag gelegt, dem es so leicht kein Entkommen gibt, wenn man einmal angefangen hat.
Die Art seines Schreibens hat etwas mit den Gedanken eines sehr nachdenklichen Menschens zu tun, der an einem Nachmittag scheinbar verschiedene Szenarien durchzuspielen scheint, wie ein Leben aussehen kann; oder auch elf Leben aus der Perspektive anderer Menschen. Leicht und verständlich, ohne großartige Floskeln bleibt die ganze Erzählung in einem Fluss, was das Lesen zu einer Freude werden lässt.
„Elf Leben“, mag man denken, hat einen esoterischen Beiklang, sofern man nur den Klappentext liest, schnell wird aber klar, dass es vielmehr als nur ein esoterischer Roman, sondern eine Erzählung aus dem Leben einer oder eher noch mehr Personen, deren Leben untereinander beeinflusst wird, ohne dass sie sich je kennen lernen werden.
Auch das Cover fällt durch unauffällige, aber sehr angenehme Gestaltung auf. Es distanziert sich somit von den oftmals sehr bunten und sehr auffälligen Covern der Großverlage.
Abschließend kann man sagen, dass dieser Roman eines der wenigen Meisterstücke ist, die das Herz berühren und einen noch lange beschäftigen werden; nicht nur in Gedanken, sondern auch im Handeln. Denn wer weiß schon, was es für Auswirkungen haben wird, wenn ich bei der nächsten Busfahrt, unbedingt einen Sitzplatz haben möchte und dadurch jemandem, dem die Beine schmerzen, ihn unbewusst wegnehme?
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