Donnerstag, 7. Januar 2010

"Hector & Hector und die Geheimnisse des Lebens" - François Lelord

Philosophie mal ganz anders

4/5 Sternen

Petit Hector, der kleine Held unseres Romans, auf der Suche nach dem ganz großen L des Lebens, führt uns auf einer Reise durch seine kleine Welt zu vielen Lektionen des Lebens, die wir entweder von Kindesbeinen ab schon kennen oder nie kennen gelernt haben, obwohl sie wichtig für das gesellschaftliche Miteinander sind.


Sein kleines, schwarzes Notizbüchlein, anfangs noch leer mit dem festen Vorhaben, auch nur die Lektionen des Lebens dort zu verewigen, erhält schon auch bald Regeln der Liebe, wie sie grundlegender nicht sein könnten. Männer müssen die stärkeren sein, sie sind es, denen man hinterher schaut und nicht umgekehrt. Auch wenn die Liebe ein wichtiger Aspekt des Lebens ist, so bleibt sie in diesem Buch angenehm dezent, was einen erst recht anspornt, in diesem fabelhaften Buch weiter zu schmökern.

Eltern, ein wichtiger Faktor des Lebens, müssen sich nicht immer einig sein, wie uns Petit Hector uns auf lebhafte Art und Weise vor Augen führt, denn das eine Geschlecht hat sicherlich oft eine ganz andere Anschauungsweise als das andere, wie man sich Respekt verschafft. So ist für Petit Hectors Vater eine klare Ansage, einer Drohung gleich, ein Mittel, um sich Respekt zu verschaffen, während seine sanfte Mutter auf die Hilfe anderer schwört. Warum das Problem als junger und unerfahrener Mensch selbst angehen, wenn es doch autoritäre Personen gibt, die es für ihn regeln können? Der kleine Junge aber, beide Eltern zwar gleichermaßen liebend, doch etwas mehr auf den Vater konzentriert, beherzigt den Rat seines Vaters und beruft seine Freunde zusammen, um dem großen Unruhestifter gehörigen Respekt einzuflößen. Heutzutage würden viele sagen, er habe doch nur soviel Mut, weil er nicht alleine und in der Überzahl sei, was das Respektguthaben ordentlich einstürzen lassen würde, bei Grundschulkindern jedoch scheinbar ordentlichen Eindruck macht.

Man könnte meinen, der Held des Romans habe ein glückliches, perfektes Leben, aber nach einigen Kapiteln wird klar, dass er vielleicht ein weitestgehend normaler Junge ist, aber dennoch nicht von diversen Problemen verschont bleibt. So muss er alsbald feststellen, dass Mädchen doch nicht so langweilig sind, wie die Jungen glauben, dass Schummeln in der Schule nicht erlaubt ist, wenn man sich erwischen lässt und dass man noch immer die gleichen Probleme hat, wenn man erwachsen ist, nur dass sie dann ganz anders aussehen.

Auch Tod und Scheidung lernt der Kleine kennen, was ihm große Angst macht, denn niemand ist davor sicher, auch seine Eltern, die für ihn die stärksten und schönsten Eltern der Welt sind, sind nicht vor den Unbilden der Welt gefeit. Unfreiwillig lernt Hector das Geheimnis seines gleichnamigen Vaters kennen, dem es unglaublich unwohl bei der Tatsache ergeht, dass sein Geheimnis scheinbar doch nicht so geheim ist wie er meint.

Früh schon muss Petit Hector lernen, was Verschiedenheit und Verdienste sind und dass sich Eltern nicht mögen zu brauchen, nur weil deren Kinder untereinander befreundet sind.

Durch seine Lektionen kommt Hector in die eine oder andere Schwierigkeit, wodurch er ebenfalls seinen Freund auf einer Feier in Verlegenheit bringt, da zwei der "Fantastischen Fünf", wie sie sich später nennen, nicht eingeladen sind. "Die Sache mit 'Wer hat ein Verdienst an was oder nicht?' kann eine Menge Konsequenzen haben" erlangt auch hier für Hector eine neue Bedeutung, denn nicht alle seine Freunde scheinen ihren Verdient von den Eltern zu haben. So auch sein andersgläubiger Freund Orhan, dessen Eltern ihm bei Schulaufgaben nicht helfen können, scheint seinen ganz eigenen Verdienst erlangt zu haben; allerdings nicht ganz ohne die Hilfe seiner größeren Schwester.

So lernt also Petit Hector das Leben mit dem ganz großen L davor nach und nach kennen, die Fantastischen Fünf lösen sich gezwungenermaßen auf, Amandine sieht er nach den großen Ferien vielleicht wieder, vielleicht auch nicht, jeder fängt an, das Leben anders zu leben.

Schließlich kommen wir zum Epilog, in dem wir noch vieles erfahren, was aus unserem Helden und seinen Träumen und aus den Notizbüchern geworden ist, die er und sein Vater in jungen Jahren geschrieben haben. Auch die eventuelle Affäre deckt sich schnell auf und wird Dank seiner kleinen Schwester auch für immer in die Vergessenheit katapultiert.

Abschließend also wäre zu sagen, dass "Hector & Hector und die Geheimnisse des Lebens" ein ausgezeichneter Schmökerroman darstellt, der auch die ein oder andere philosophische Weisheit enthält, aber durch die stetige Naivität und dem gleichbleibenden Rhythmus des Grundschulkindes, was zwar lernt und die Ratschläge beherzigt, doch in der Zeit stehen zu bleiben scheint, ein wenig an Attraktivität und Leselust verliert. Beim Öffnen und Anfangen des Lesen erhält man so den Eindruck, man sei im Buch nicht vorangekommen, die Zeit sei einfach stehen geblieben und man empfindet das Buch als in die Länge gezogen. Dann, nach einigen, schließlich zähen Kapiteln, kommt ein abrupter Abbruch, der gänzlich den roten Faden abschneidet, dem man gefolgt ist. Sicherlich mag dies eine recht interessante Weise sein, den Leser aufzuwecken, aber keine besonders gelungene, obwohl der Epilog durchaus lesenswert ist.


Lelord hat mit seinem aktuellen Roman so ein kleines Märchen mit vielen kleinen Moralen erschaffen, welches allerdings einen großen Hüpfer macht, was einer Zeitreise Rotkäppchens in unsere Zeit gleichkommt. Der Autor hat mit Herz und Feingefühl den kleinen großen Helden des Romans fantastisch ins Bild gesetzt, was für viele kleine Langatmigkeiten entbehrt.

"Ich denke, also bin ich verwirrt" Christoph Süß

Hier ist der Autor definitiv verwirrt!                                                   1/5 Sternen


Christoph Süß, erfolgreicher Kabarettist und Studienabbrecher in Philosophie hat sich sicherlich für den Weg der Medien entschieden, da er scheinbar von der Philosophie nicht angetan war; Karriere hin oder her.


Dies spiegelt sich auch klar in seinem „Werk“ wider, in dem er nicht nur die Philosophie, sondern auch die Religion aufs Korn nimmt.
Ein Reise durch unsere Geschichte bis hin in die Neuzeit wird auch, so muss man es ihm lassen, gut recherchiert und humorvoll, dargestellt, jedoch auf eine fast schon altertümlich wirkende Art und Weise, welches das Lesen nicht zu einem Schmaus, sondern zu einem Graus werden lässt. So handlich und verhältnismäßig kurz es auch verfasst sei, es zieht sich, durch die immer wiederkehrenden Witze sehr in die Länge.

Ironisch solle sein Werk sein, welches es auch sicherlich ist, doch erweckt Süß doch den Eindruck, dass er ein Mensch sei, der mit der Religion wohl so ziemlich auf die Nase gefallen ist und ihr nun gnadenlos die Schuld zuteilt, indem er maßlos über sie her zieht. Religion oder eben hier das Christentum sei eine eigens geschaffene Politik, um die armen Bürger brav unter Kontrolle halten zu können. Aber wo bitte, sind die Beweise dafür? Ein einziger Bereich der Bibel, von Paulus verfasst, soll gänzlich den ganzen Glauben begründen? Hier hätte man sich doch handfestere Gründe statt haltlose Phantastereien gewünscht!
Statt Philosophie erwartet uns geballte Religionskritik, wo Seite für Seite über die Werte hergezogen wird, die unsere heutige Gesellschaft ausmacht. Um es aber nicht zu mittelalterlich klingen zu lassen, packt er, wie er meint, aktuelle Themen oder Diskussionen zwischen die Sätze, die fast gänzlich keine Bezug haben, so wie zum Beispiel seine Stellungnahme dass Gott nicht allmächtig sei, weiß er nur das Beispiel zu nennen, wo er den „immerwährenden Kampf gegen Liberalismus, Homosexualität, die Achse des Bösen und Harry Potter“ aus dem amerikanischen „Bible Belt“ anführt, was nun wirklich keinen Sinn ergibt.

So streckt sich das Buch auch auf der ganzen Länge ganz in dieser Art hin, es gibt weder einen roten Faden noch bodenständige Begründungen oder Nachweise für seine „liebsten Weltanschauungen“.
Letztlich beläuft sich alles darauf, dass Mathematik das einzig Wahre sei.

Abschließend ist zu sagen, dass Christoph Süß für den ausschließlich sehr anspruchslosen Leser ein Werk geschaffen hat, der einer lauen Talkshow auf den privaten Sendern gleichkommt.